Artikel der Lippischen Landeszeitung
Klaus Geise: Einbahnstraßentest eine “historische Chance”
VON MARIANNE SCHWARZER
Die Einzelhändler sind geschockt | Foto: Schwarzer
Blomberg. Nachdem der Bauausschuss testweise eine Einbahnstraße am Kurzen Steinweg beschlossen hat, sitzt der Schock bei den Einzelhändlern tief. Bleibt die Frage, wie es weitergeht.
So verheerend die Kaufleute den Beschluss von SPD und FDP auch finden, sie wollen sich nicht in die Schmollecke zurückziehen: “Wir haben heute morgen schon mächtig diskutiert”, erzählte ihr Sprecher Gustav Krull der LZ am Donnerstag. “Und natürlich gab es gleich Ideen wie Bürgerbegehren oder Protestaktionen in den Schaufenstern. Aber wir werden uns jetzt erst einmal zu einer Sondersitzung treffen und überlegen, wie es weitergeht. Es bringt ja nichts, bei unseren Kunden schlechte Stimmung zu verbreiten.”
So sieht es auch Weinhändlerin Andrea Plat. Sie macht sich große Sorgen, was passiert, wenn direkt vor ihrem Geschäft eine Bushaltestelle gesetzt wird. Denn auch die Busse werden jetzt aus der anderen Richtung kommen und die Haltestellen müssen – zunächst provisorisch – auf die jeweils andere Straßenseite verlegt werden. “Ich glaube, die Politiker haben nicht bedacht, was eine solche Entscheidung für Auswirkungen hat.”
In der Tat hat der Ausschuss die Einbahnstraße stadteinwärts und vor allem die Auswirkungen auf die anderen Straßenzüge und den Busverkehr nicht im Detail diskutiert. “Diese Variante war ja auch nie Thema in einem Workshop”, kritisiert Krull. Das räumt Bürgermeister Klaus Geise ein. “Aber die Argumente pro Einbahnstraße aus den Workshops gelten auch für die Einbahnstraße in die andere Richtung. Insofern ist das ja schon thematisiert worden.”
Er verstehe den Unmut der Einzelhändler. “Aber wir müssen nicht nur eine Interessengruppe, sondern das große Ganze im Blick haben. Es gibt neben den Kaufleuten auch die Bewohner, Touristen, Fußgänger und Autofahrer.” Für sie alle würde die Einbahnstraße Vorteile bringen, glaubt Geise. Nach 20 Jahren Diskussion über den Verkehr in der Innenstadt habe Blomberg die historische Chance, eine andere Variante auszuprobieren. “Die Chancen, die dieser Test birgt, sind im Bauausschuss am Mittwochabend leider untergegangen”, sagt er.
Er möchte den Blick nach vorn richten: “Ich nehme die Sorgen der Einzelhändler sehr ernst. Wir werden weiter im Gespräch bleiben. Ich lade sie herzlich ein, an einer Arbeitsgruppe teilzunehmen, die diese Testphase begleitet und Schlüsse daraus zieht.”
Allerdings macht er selbst sich auch Sorgen: “Es darf natürlich nicht zu einer selbsterfüllenden Prophezeihung kommen, so nach dem Motto; In Blomberg kann man nicht mehr einkaufen.”
