Artikel der Lippischen Landeszeitung
SPD und FDP setzen sich über Einwände der Blomberger Kaufleute hinweg und beschließen Verkehrstest
VON MARIANNE SCHWARZER
Eindringlicher Appell | Foto: Schwarzer
Blomberg. Der Kurze Steinweg wird testweise in eine Einbahnstraße stadteinwärts umgewandelt. Gegen den Willen der Blomberger Einzelhändler hat die Mehrheit aus SPD und FDP das gestern so beschlossen.
“Die machen doch sowieso, was sie wollen.” “Unsere Meinung ist denen doch vollkommen egal” – kurz nach 21 Uhr erklangen diese Stimmen vor dem Blomberger Rathaus. Hier standen einige Einzelhändler noch zusammen, um zu verdauen, was sie soeben in der Sondersitzung des Bauausschusses erlebt hatten.
Der flammende Appell von Gustav Krull, dem Sprecher der Gruppe Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistung bei Blomberg Marketing, war soeben wirkungslos verklungen.
In der Verkehrsdiskussion hatte zunächst im Raum gestanden, den Kurzen Steinweg entweder in eine Einbahnstraße stadtauswärts umzuwandeln oder aber den Status Quo beizubehalten. Die Verwaltung hatte nach einem entsprechenden Behördentermin noch als dritte Möglichkeit eine Einbahnstraße stadteinwärts ins Spiel gebracht und vorgeschlagen, das für ein halbes Jahr auszuprobieren. Und genau diesem Vorschlag haben sich gestern Abend acht SPD-Mitglieder und ein Liberaler angeschlossen. Ein Sozialdemokrat stimmte nicht mit.
Vor der Entscheidung hatte Gustav Krull noch eine halbe Stunde zuvor eindringlich gewarnt: “Es geht hier um reale Existenzängste von Einzelhändlern”, betonte er. “Einige fragen sich wirklich, ob sie dicht machen müssen.” Selbst eine Testphase würde zu massiven Umsatzeinbußen führen, hatten im Vorfeld bereits 44 Geschäftsleute mit ihrer Unterschrift bekräftigt. “Entscheiden Sie sich für eine attraktive Innenstadt”, beschwor Krull die Politiker. Schützenhilfe bekam er von Hans-Ulrich Arnecke (Grüne), der vor dem Verkehrsversuch warnte: “Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.” Bis sich die veränderte Verkehrsführung und damit auch die andere Buslinienführung durchgesetzt habe, werde es Verluste bei Einzelhandel und Bussen geben. Und auch Jörg Kleinsorge (CDU) plädierte dagegen: “Mir ist nicht klar, wie man sich über ein so klares Meinungsbild der Betroffenen hinwegsetzen kann”, meinte er.
Fraktionschef Günter Borchard versuchte, die Haltung der SPD zu verteidigen: “Wenn die Testphase ordentlich gelaufen ist, bieten sich für die geplante Sanierung des Kurzen Steinweges ganz andere Chancen”, betonte er. Das könne die Aufenthaltsqualität dort doch noch deutlich steigern. Argumente, die bei den Einzelhändlern gestern nicht verfingen. “Wir müssen das jetzt erst mal sacken lassen”, sagte Gustav Krull zur LZ.
